Motivation im Studium: Von wegen selbstbestimmt lernen!

„Das Gegenbild zu den idealisierten mit rationalen Entscheidungen aufwartenden Studierenden zeichnet die Motivationspsychologie. In unseren Motivationsanalysen an größeren Stichproben (Schulmeister, Metzger & Martens, 2012) mussten wir immer wieder feststellen, dass eine Minderheit selbstbestimmter Lernender einer größeren Gruppe von Studierenden gegenüber steht, die mit Angst, negativen Gefühlen, Ablenkungsneigung und Prokrastination zu kämpfen haben, die Lernziele als fremdbestimmt erleben und dem Lernen aus dem Weg gehen, während eine ähnlich große dritte Gruppe Studierender mit minimalistischen Strategien einen pragmatischen Zugang zum mittelmäßigen Bestehen von Prüfungen sucht. Das Selbststudium macht in vielen Studiengängen zwischen 0 und 2 Stunden pro Tag aus, ein Drittel bis zur Hälfte der Studierenden lernt an Wochenenden gar nichts, erst kurz vor den Prüfungen. Das sind keine guten Voraussetzungen, um die Studierenden damit allein zu lassen und eine Abstimmung mit den Füßen antreten zu lassen.“ (Schulmeister 2015, S. 42f)
Quelle:
Rolf Schulmeister: Studien zur Anwesenheit in Lehrveranstaltungen, Hamburg, 2015
http://rolf.schulmeister.com/pdfs/Abwesenheit.pdf

OER – Links- Infoquellen

FNMA Magazin 02/2017

August 2017

http://www.fnm-austria.at/fileadmin/user_upload/documents/Magazin/2017-02.pdf

Open Education und Open Educational Resources – Deutsche und Europäische Policy im Überblick

10.7.2017

https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/open-education-und-open-educational-resources-deutsche-und-europaeische-policy-im-ueberblick

OE Global Conference 2017 – Schedule

März 2017

https://conference.oeconsortium.org/2017/schedule/

Wikis in Moodle oder überhaupt ein Wiki nutzen oder sich mit Wikis beschäftigen

Die Möglichkeit gemeinsam an Texten zu arbeiten gibt es derzeit an vielen Stellen. Außerhalb von Lernplattformen wird dies z.B. mit Google Drive oder Office 365 getan. Die Programme sind sehr komfortabel und ermöglichen das gemeinsame Schreiben in Echtzeit. Die DOCs sind knotenfrei und können außerhalb eines Netzes betrieben werden.

Innerhalb von Moodle ist das gemeinsame Arbeiten an Texten mit Wikis oder einem angebundenen Etherpad möglich. Ein Wiki ist ein Netz und ohne dieses nicht denkbar. Die Anwender*innenlogik hat allerdings in vielen Fällen das Netz nicht im Sinn, sondern ist weiterhin der Buchlogik verhaftet. Es sollte das eine aber nicht gegen das andere ausgespielt werden. Lange Buchtexte haben natürlich ihre Berechtigung. Eine Verkürzung oder ein anderes Format, z.B. das Wiki-Format, gibt es gewissermaßen einfach auch, wenngleich Wiki aufgrund von Wikipedia sehr wirkmächtig und zu einer wichtigen Quelle für Bildung geworden ist. Beide Seiten, Lehrende und Lernende, nutzen Wikipedia im alltäglichen Wissenserwerb. Das Wissen wiederum, wie Wikipedia funktioniert, ist weniger stark ausgeprägt. Hier gibt es eine Lücke, die u.a. auch von den Bildungsinstitutionen gestopft werden sollte (gehört meiner Meinung nach zum Grundwissen über das Netz).

Moodle hat „echte“ Wiki-Technologie integriert, ein spartanisches Wiki, das gewöhnungsbedürftig für die meisten ist, die nicht mit der Wiki-Praxis vertraut sind. Wikipedia wird zwar von allen genutzt, in der Regel jedoch passiv und über die Google-Suche.

Entsprechend wenige Wikis finden sich in der Lehre. Die wenigen zeigen sich jedoch in vielfältiger Form und werfen auch einen Blick auf den derzeitigen Stand der Moodle-Plattform, wenn es darum geht kollaborativ zu arbeiten. Kollaborative Funktionen könnten dort stärker verankert sein, vorherrschendes Strukturmerkmal ist die Distribution von Inhalten von wenigen zentralen Punkten aus (Kursleiter*innen).

Spannend ist es hinter die Kulissen zu schauen: Wieviele Wikis werden pro Jahr genutzt, wieviele Seiten haben diese und welche Struktur haben sie. Hierzu habe ich ein kleines Analysentool entwickelt, das nicht nur auf Wikis sondern auch auf andere Tools adaptiert werden kann.

Das Analysetool gibt die Zahl der Wikis pro Kurs auf einer Moodleinstanz aus, die Seiten pro Wiki und die Seitenansichten. Das Tool wird in Kürze auf Github zur Verfügung stehen.

Land in Sicht ab 1.3.2018? Rund um §52a UrhG

Rainer Kuhlen vom Urheberrechtsbündnis schreibt im Tagesspiegel zur aktuellen Auseinandersetzung um die Vergütung von Nutzungen infolge von §52a UrhG: http://m.tagesspiegel.de/wissen/streit-um-das-urheberrecht-die-individuelle-verguetung-der-autoren-taugt-nicht-fuer-hochschulen/19577030.html, warum die individuelle Abrechnung Nonsens ist.

e-teaching.org resümiert die aktuellen Auseinandersetzungen unter https://www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/die-unendliche-geschichte-der-urheberrechtsreform, auch mit Hinweis auf den Appell von publikationsfreiheit.de. Eine Auseinandersetzung mit dem Appell findet sich auf https://irights.info/artikel/publikationsfreiheitde-unterzeichner/28410.

Das BMJV hat nun auch einen Regierungsentwurf veröffentlicht: http://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/04122017_Urheber_Wissenschafts_Gesetz.html: Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft (UrhWissG).

Relevant für Unterricht und Lehre ist darin §60a:

(1) Zur Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen dürfen zu nicht-kommerziellen Zwecken bis zu 15 Prozent eines veröffentlichten Werkes vervielfältigt, verbreitet, öffentlich zugänglich gemacht und in sonstiger Weise öffentlich wiedergegeben werden

1. für Lehrende und Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltung,
2. für Lehrende und Prüfer an derselben Bildungseinrichtung sowie
3. für Dritte, soweit dies der Präsentation des Unterrichts, von Unterrichts- oder Lernergebnissen an der Bildungseinrichtung dient.

(2) Abbildungen, einzelne Beiträge aus derselben Zeitung oder Zeitschrift, sonstige Werke geringen Umfangs und vergriffene Werke dürfen abweichend von Absatz 1 vollständig genutzt werden.

Gegenüber dem Referentenentwurf sind im Regierungsentwurf nur noch 15% eines Werkes erlaubnisfrei nutzbar (s. auch Textvergleich Referenten- und Regierungsentwurf: https://irights.info/wp-content/uploads/2017/04/UrhWissG-Textvergleich-RefE-RegE.pdf). Der Wert entspricht aber ungefähr dem bisher gültigen (12% oder max. 100 Seiten).

Außerdem sind die Nutzungsrechte ausgedehnt und decken damit mehr Unterrichts- bzw. Lehrsituationen ab, z.B. auch die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Materialien in MOOCs.

Rechnung getragen wird auch dem Umstand, dass an einer Lehrveranstaltung in der Regel außer dem Lehrenden und Teilnehmer/innen auch weitere Personen beteiligt sind.
Veranschaulichung des Unterrichts umfasst einen weiteren Zeitraum, dazu zählen Vor- und Nachbereitung als auch die Prüfungsvorbereitung.

Abbildungen sind nun explizit genannt.

§60b

(1) Hersteller von Unterrichts- und Lehrmedien dürfen für solche Sammlungen bis zu 10 Prozent eines veröffentlichten Werkes vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen.
(2) § 60a Absatz 2 und 3 ist entsprechend anzuwenden.

§60c bezieht sich auf Forschung.

§60d bezieht sich auf Text- und Data Mining.

§60g Gesetzlich erlaubte Nutzung und vertragliche Nutzungsbefugnis

(1) Auf Vereinbarungen, die erlaubte Nutzungen nach den §§ 60a bis 60f zum Nachteil der Nutzungsberechtigten beschränken oder untersagen, kann sich der Rechtsinhaber nicht berufen.

Dies ist ein wichtiger Passus, da damit explizit gemacht wird, dass die Erlaubnis nur durch die Schranke nicht durch vertragliche Regelungen eingeschränkt werden kann.

§60e Angemessene Vergütung der gesetzlich erlaubten Nutzungen

(3) Eine pauschale Vergütung oder eine repräsentative Stichprobe der Nutzung für die nutzungsabhängige Berechnung der angemessenen Vergütung genügt. Dies gilt nicht bei Nutzungen nach den §§ 60b und 60e Absatz 5.

Ab 1.3.2018 kann demgemäß nicht mehr auf einer Einzelerfassung, /-vergütung bestanden werden. Die Frage lautet, was dann zwischen 30.9. und 1.3. gelten soll.