GML 13 – Renaissance des E-Learning ?! twitter hashtag #gml13

Am 28. und 29.11. fand in Berlin die Tagung GML² 2013 zum Thema Renaissance des E-Learning, versehen mit Ausrufezeichen und Fragezeichen statt. Anlass zu Debatten und Auseinandersetzungen geben nach wie vor die so genannten MOOCs, Massive Open Online Courses, um die es, wenn auch nicht ausschließlich, auch bei dieser Tagung ging. Um diese Tierchen dreht und wendet man sich und versucht sich an Einschätzungen, Standortbestimmungen, Positionsfindungen. Ist es ein Hype, ein Trend, verändert es die Hochschulen, das Lernen?
MOOCs haben seit ca. einem Jahr maximale mediale Aufmerksamkeit erzeugt, zu einem Thema, das die letzten Jahre, eher einen Dornröschenschlaf schlief, nämlich E-Learning.

In Europa gibt es inzwischen 345 MOOCs laut Open Education Europa: http://openeducationeuropa.eu/en/european_scoreboard_moocs. Michael Gaebel von der European University Association zog ein kritisches Zwischenfazit zu europäischen MOOCs. Bezogen auf die Lerner ziehen MOOCs zum Beispiel Lerner an, die autonomes Lernen beherrschen. Lerner, die Unterstützung benötigen, profitieren möglicherweise nicht von diesem Angebot bzw. haben Schwierigkeiten, brechen ab. Erforderlich sind somit stark ausgeprägte Selbstlernkompetenzen, um bei einem MOOC erfolgreich teilzunehmen. Sind MOOCs Lerninnovationen? Nicht per se, teilweise, so die Diskussion, werden MOOCs auch als didaktischer Rückschritt gesehen.

Dr. Robert Schuwer von der Open Universiteit Nederland nahm sich u.a. dem Terminus „open“ an. Inwieweit sind MOOCs open? Offen können Zugang, Taktung, Zeitraum, Ort, Curriculum, Kosten bzw. Lizenzform der Inhalte sein. Hier ist der Hinweis wichtig, dass MOOCs nicht deckungsgleich mit OER sind, d.h. nicht automatisch Inhalte sind, die unter CC-Lizenzen stehen. Bei OpenupEd, ein pan-europäischen Initiative zu MOOCs, wird für die dort aufgelisteten Kurse auch die Lizenzform transparent gemacht.

Dr. Joachim Wedekind analysierte in seinem Beitrag Stolpersteine von cMOOCs, sowohl von Anbieter- als auch von Lernerseite aus, z.B. passive Teilnahme, Lurking, hoher Aufwand; Aspekte, die jedoch nicht nur bei MOOCs problematisch sind.

Auch Prof. Dr. Martin Gersch stellte MOOCs in einen kritischen Brennpunkt, aus der Perspektive von Branchenverhalten in der Ökonomie. Diskutiert wurde u.a. der von ihm verwendete Begriff der Pfadabhängigkeit bzw. des Pfadbruchs, d.h. das bestehenden Strukturen Verhaftetsein bzw. der Ausbruch aus ihnen. Die Tatsache, dass das Lehr-/Lernmodell von Universitäten seit Jahrhunderten unverändert ist, während die technologische Entwicklung rasant vorangeht, wurde auch in anderen Beiträgen thematisiert.

Der Beitrag von Prof. Dr. Jörn Loviscach analysierte den didaktischen Sinn von Erklärvideos unterstützt von Quizzen. Er traf die Unterscheidung von Pauken und Verstehen und wies Quizzes in die Rolle, das Pauken zu unterstützen. Im Sinne des inverted classroom verlagert er dieses außerhalb des classroom und sieht im Rahmen von Präsenzzeit die persönliche Betreuung vor, die für das Ziel „Verstehen“ und hochschulgemäßes Lernen unverzichtbar sei. An diesem Punkt stoßen MOOCs an ihre Grenzen, Loviscach sieht dafür bei MOOCs keine Möglichkeit.

Prof. Dr. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut stellte OPENHPI, das MOOC-Angebot des HPI als erfolgreiches Modell vor. Über 90.000 Kurseinschreibungen hat OPENHPI, das Geheimnis des Erfolgs ist das Community-Building, das durch die Plattform und die Kursorganisation unterstützt wird. Teilnehmende können ein Zertifikat erwerben. Die absoluten Erfolgszahlen liegen bei ca. 20 – 30%.

Prof. Dr. Pierre Dillenbourg aus Lausanne schrieb das Geheimnis von MOOCs einem Tarte Tatin-Modell zu:
Auf der einen Seite gibt es:
Die besten Dozenten von den besten Universitäten, auf Inhalte fokussiert, mit hohem Workload, einem Kurs als Basiseinheit, klassische Pädagogik, ein strikter Zeitplan und eine Zertifizierung.
Auf der anderen Seite gibt es: Die Youtube-Aufmerksamkeitsspanne, freier Zugang zu den Inhalten, viele kleine Erfolge, jederzeit und überall, mit Social Software, Community-Effekten, Crowd-Sourcing und Learning-Analytics.

Sicherlich macht gerade diese Kombination den Reiz von MOOCs aus, die klassische Universitätslehre im Gewand von Internettechnologien für jeden zugänglich. Möglicherweise lassen sich MOOCs auch nicht unbedingt mit formeller Bildung vergleichen. Das Feld des informellen Lernens ist ein weites Feld. Und warum sollten Universitäten sich nicht auch öffnen und solche Angebote schaffen? Die Möglichkeiten der Technologie ausprobieren? Einzelne Lehrende machen dies bereits, experimentieren, erkunden, gehen nach draußen. MOOCs verstärken das, unterstützt bei den großen amerikanischen Plattformen mit hohen Geldsummen.

„Open“ war lange kein Thema, zumindest im deutschsprachigen Raum. In den USA gibt es zumindest eine Vorgeschichte der MOOCs, OpenCourseWare, MITOCW, seit 2001. OCW hatte indessen überhaupt keinen Effekt auf die deutschsprachige Bildungslandschaft. Inzwischen ist auch hier die Rede von OER, Open Access und nun MOOCs. Dies ist eher ein Zeichen dafür, dass Bildung inzwischen nicht mehr ohne eine digitale Infrastruktur auskommt, ohne dass dies bedeutet, dass Präsenzzeit weniger wichtig ist. Bleibt zu hoffen, dass der Blick sich weitet, von MOOCs auf die gesamte digitale Infrastruktur.

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