{"id":1188,"date":"2014-12-07T14:10:05","date_gmt":"2014-12-07T13:10:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.k-braungardt.de\/blogkb\/?p=1188"},"modified":"2014-12-07T14:12:04","modified_gmt":"2014-12-07T13:12:04","slug":"bei-einem-mooc-zu-kiekegaard-mitgemacht-nachlese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.k-braungardt.de\/blogkb\/?p=1188","title":{"rendered":"Bei einem MOOC zu Kiekegaard mitgemacht &#8211; Nachlese"},"content":{"rendered":"<p>Nun habe ich selbst an einem MOOC teilgenommen und nutze die Gelegenheit meine Erfahrungen zu reflektieren und mitzuteilen. Der MOOC hie\u00c3\u0178 &#8222;S\u00c3\u00b8ren Kierkegaard &#8211; Subjectivity, Irony and the Crisis of Modernity by Jon Stewart, PhD, Dr theol &#038; phil&#8220; angeboten von der Universit\u00c3\u00a4t Kopenhagen auf der Plattform <a href=\"https:\/\/www.coursera.org\/\">Coursera<\/a>. Warum ausgerechnet dieser MOOC? W\u00c3\u00a4hrend meines Philosophiestudiums bin ich bereits mit Kierkegaard in Kontakt gekommen, habe sogar eine Seminararbeit geschrieben. Das hat mich neugierig gemacht.<\/p>\n<p>Der Kurs ging acht Wochen. Jede Woche wurden 3 Videos \u00c3\u00a0 ca. 20 Minuten frei geschaltet. Nach jedem Video gab es einen Multiple-Choice-Test (1 Frage). Au\u00c3\u0178erdem zu lesende Texte, Pflicht und freiwillige Lekt\u00c3\u00bcre, eine Frage, die man im Forum beantworten konnte und einen aus mehreren Fragen bestehenden Quiz. Jede Woche wurde auch ein neues Forum er\u00c3\u00b6ffnet.<\/p>\n<p>Die Videos und den Quiz habe ich w\u00c3\u00b6chentlich gemacht. Die Texte habe ich allerdings nur teilweise gelesen. Es waren Ausschnitte aus verschiedenen Werken Kierkegaards. Anstand Texthopping zu machen, habe ich das Hauptwerk zum Thema &#8222;Der Begriff der Ironie&#8220; angeschafft und zumindest bis zum Ende des Kurs den Gro\u00c3\u0178teil gelesen, so dass ich einen durchgehenderen Eindruck vom Schreiben Kierkegaards hatte. Au\u00c3\u0178erdem fand ich es angenehmer den Prim\u00c3\u00a4rtext auf Deutsch zu lesen. <\/p>\n<p>Auch in den Foren habe ich nur kursorisch gelesen und auch kaum geschrieben. Daf\u00c3\u00bcr ist mehr Zeit erforderlich, als ich aufbringen wollte. In Woche 1 gab es im Thread zur Wochenfrage 325 Postings und 2278 views. In Woche 8 im meistgenutzten Thread 178 Posts und 1037 Views.<br \/>\nWie ich ersehen konnte, bezogen sich die Forenposts nat\u00c3\u00bcrlich auf die Wochenfragen, aber gingen auch dar\u00c3\u00bcber hinaus bzw. weit dar\u00c3\u00bcber hinaus. Nicht alle thematischen Richtungen sind f\u00c3\u00bcr einen selbst interessant, es ist schwierig das Interessante bzw. relevant Erscheinende zu filtern. Auf der anderen Seite ist es die einzige M\u00c3\u00b6glichkeit im MOOC sich einzubringen. <\/p>\n<p>Gemeinsamer Bezugspunkt sind auf jeden Fall die Videos, die sehr gut gemacht waren. Hintergrundkulisse waren Schaupl\u00c3\u00a4tze aus Kopenhagen, die zu Kierkegaards Leben eine Rolle spielten. Seine Auseinandersetzung mit der Philosophie der Zeit und der zeitgen\u00c3\u00b6ssischen intellektuell-gesellschaftlichen Situation in D\u00c3\u00a4nemark wurden gut illustriert. Dabei spannten sie einen chronologischen Bogen vom Beginn seines Schaffens bis zu seinem Tod. Die thematische Klammer war die Figur des Sokrates, der rote Faden des Kurses sozusagen, auf den alles immer wieder r\u00c3\u00bcckbezogen wurde. \u00c3\u0153berdies wurde auch versucht, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, dar\u00c3\u00bcber zu reflektieren, inwieweit das Denken Kierkegaards heute von Bedeutung ist. Bezug genommen wurde dabei auch auf die Mooc-Situation bzw. die Tatsache, dass Teilnehmer aus unterschiedlichen Kontexten dabei sind. Wertvoll fand ich au\u00c3\u0178erdem, dass in manchen Videos Interviews mit Kierkegaard-Forschern gef\u00c3\u00bchrt wurden und hier ebenfalls andere Perspektiven eingebracht wurden.<\/p>\n<p>Am Ende des Kurses bestand die Aufgabe einen max. 2000 W\u00c3\u00b6rter umfassenden Essay zu schreiben, der einem Peer-Review-Verfahren unterzogen wurde. Das hei\u00c3\u0178t, jeder musste zwei fremde Essays und seinen eigenen bewerten.<\/p>\n<p>So weit so gut. Habe ich etwas gelernt? Ja, die Frage ist positiv zu beantworten. Bezogen auf den Ironiebegriff, das Verst\u00c3\u00a4ndnis von Subjektivit\u00c3\u00a4t und die Rolle des Sokrates habe ich ein Wissen und Verst\u00c3\u00a4ndnis entwickelt. Ich bedauere nicht mehr Zeit f\u00c3\u00bcr das Lesen der Prim\u00c3\u00a4rtexte und das Verfolgen von Forenthreads gehabt zu haben.<br \/>\nDie Videos alleine sind nicht ausreichend, um &#8222;dran&#8220; zu bleiben, meine ich, unabh\u00c3\u00a4ngig wie gut sie gemacht sind. Ich muss einen gewissen Anteil selbst leisten, lesen, schreiben, mich auseinandersetzen, einen Zugang entwickeln. Dennoch w\u00c3\u00bcrde ich sagen, dass die Qualit\u00c3\u00a4t der Videos hier zumindest als Anschub eine gro\u00c3\u0178e Rolle gespielt hat.<\/p>\n<p>Als erheblichen Nachteil sehe ich, dass man kein wirkliches Feedback zu seinen eigenen Denkbem\u00c3\u00bchungen oder Konzepten erh\u00c3\u00a4lt. Inwieweit ist das, was ich lerne, nicht nur Humbug? Immerhin kann ich mir ja einiges zusammenreimen, es gibt nicht wirklich ein Wahr oder Falsch, meine Annahmen bleiben ungepr\u00c3\u00bcft, nicht hinterfragt.<br \/>\nDie Multiple-Choice-Fragen k\u00c3\u00b6nnen nur eine oberfl\u00c3\u00a4chliche \u00c3\u0153berpr\u00c3\u00bcfung darstellen. Sicherlich ist es dazu wichtig, auch eigene Thesen oder Fragen\/Antworten zu formulieren. Die M\u00c3\u00b6glichkeit ist zumindest durch das Forum gegeben. Allerdings ist dies eine sehr ungerichtete, offene Struktur, die sich f\u00c3\u00bcr gezielte Lernprozesse vielleicht nicht so sehr eignet.<\/p>\n<p>Als Einstieg oder Schnupperkurs ist das Format des MOOCs ad\u00c3\u00a4quat, weil es in der Lage ist Komplexit\u00c3\u00a4t zu reduzieren. Nur ist die Komplexit\u00c3\u00a4t damit nicht verschwunden. Sp\u00c3\u00a4testens wenn man zum Beispiel in einen Text wie &#8222;Der Begriff der Ironie&#8220; einsteigt, wird man dies bemerken. Da gibt es dann Widerst\u00c3\u00a4ndigkeiten, Sperriges, das sich nicht einfach in einer griffigen Botschaft unterbringen l\u00c3\u00a4sst. Das bedeutet zum Zweck des Bearbeitens, der Auseinandersetzung und der Reflektion der Texte m\u00c3\u00bcsste methodisch noch mehr angeboten werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun habe ich selbst an einem MOOC teilgenommen und nutze die Gelegenheit meine Erfahrungen zu reflektieren und mitzuteilen. 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