{"id":1813,"date":"2019-08-12T18:23:36","date_gmt":"2019-08-12T17:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.k-braungardt.de\/blogkb\/?p=1813"},"modified":"2019-08-12T18:23:37","modified_gmt":"2019-08-12T17:23:37","slug":"lektuere-von-ranciere-la-mesentente-de-larchipolitique-a-la-meta-politique","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.k-braungardt.de\/blogkb\/?p=1813","title":{"rendered":"Lekt\u00c3\u00bcre von Ranci\u00c3\u00a8re: la M\u00c3\u00a9sentente: de l\u00e2\u20ac\u2122archipolitique a la m\u00c3\u00a9ta-politique"},"content":{"rendered":"<p>Das Politische bei Ranci\u00c3\u00a8re ist ursprungsfrei oder grundlos. Bestimmt wird es nur vom Prinzip der Gleichheit, die jedoch nicht in Reinform zur Geltung gelangt, sondern gebrochen durch ihr Gegenteil, das Unrecht. Wenn Unrecht sich Geh\u00c3\u00b6r verschafft oder unter Unrechtsverh\u00c3\u00a4ltnissen leidende Menschen diese anklagen und gleiche Rechte einfordern, kann von Politik gesprochen werden, laut Ranci\u00c3\u00a8re.<\/p>\n<p>Ausgespart ist hierbei die politische Organisation der Demokratie, das demokratische politische System, mit Verfassung, Gewaltenteilung, sowie den einschl\u00c3\u00a4gigen Entscheidungssprozessen, z.B. der Gesetzgebung.<\/p>\n<p>Es gibt einen politischen Prozess, der schon vor aller Begr\u00c3\u00bcndung da ist. In diesem Sinne kommt die Philosophie immer zu sp\u00c3\u00a4t, aber auch die Demokratie, die eine Art regulierendes Instrument darstellt, f\u00c3\u00bcr einen Kampf des Interessenausgleichs.<\/p>\n<p>Wichtig scheint es Ranci\u00c3\u00a8re zu sein zu sagen, dass die Demokratie nicht mit Gleichheit gleichbedeutend ist. Es gibt immer einen Abstand oder das Ziel ist nie erreicht. Es kann nur immer eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft bestimmte Rechte im Namen der Gleichheit f\u00c3\u00bcr sich reklamieren und durchsetzen.<\/p>\n<p>Dies beschreibt Ranci\u00c3\u00a8re recht schwammig, indem er von der Begegnung der polizeilichen und der Gleichheistlogik spricht. Diese Ausdrucksweise erscheint mir recht aufgeladen und unpr\u00c3\u00a4zise und l\u00c3\u00a4sst viele Sichtweisen zu.<\/p>\n<p>Abgesehen davon besch\u00c3\u00a4ftigt sich Ranci\u00c3\u00a8re mit m\u00c3\u00b6glichen Einw\u00c3\u00a4nden, die gegen seine Konzeption bestehen k\u00c3\u00b6nnten. Vor allem von platonischer Seite, wonach die Politik ein philosophisches Ideal ausdr\u00c3\u00bccken sollte. Den R\u00c3\u00bcckgriff auf die platonische Philosophie l\u00c3\u00a4sst Ranci\u00c3\u00a8re unerkl\u00c3\u00a4rt. Die Frage ist, weshalb f\u00c3\u00bcr eine zeitgem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178e Formulierung politischer Philosophie Widerspruch von platonischen politischen Prinzipien erwartet werden kann. Hier wird nicht deutlich, wof\u00c3\u00bcr diese Einlassung steht.<\/p>\n<p>Es gibt die wahre politeia bei Platon, unterschieden von den politeias im Plural, wozu auch die Demokratie z\u00c3\u00a4hlt. An einer Stelle macht Ranci\u00c3\u00a8re den \u00c3\u0153bertrag (S. 98) und spricht von denen, die heute die gute Republik der zweifelhaften Demokratie gegen\u00c3\u00bcberstellen. Heute bezieht sich dabei wohl auf das Frankreich zu Beginn der 90er Jahre.<\/p>\n<p>Allerdings ist die aktuelle Staatsform nat\u00c3\u00bcrlich keine Ausformung antiker Vorstellungen. Dies sieht Ranci\u00c3\u00a8re nat\u00c3\u00bcrlich. F\u00c3\u00bcr die weitere Argumentation ist f\u00c3\u00bcr ihn ein logisches Problem entscheidet, welches die Demokratie hat, das der Teilhabe der Anteilslosen. In drei Ausformungen der politischen Philosophie wird dieses Paradox verarbeitet: die Archi-, Para- und die Metapolitik.<\/p>\n<p>Die Archipolitik entspricht der platonischen Vorstellung von Politik, hiernach etabliert sich die politische Ordnung durch die quasi-nat\u00c3\u00bcrliche Einnahme der sozialen und politischen Positionen durch die Einzelnen. Das funktionierende Zusammenleben wird durch Sitten und Gebr\u00c3\u00a4uche erreicht und durch die Erziehung. Eine eigentliche politische Sph\u00c3\u00a4re gibt es nicht. Diese ist jedoch in der Parapolitik vorhanden, die den Demos und das Prinzip der Gleichheit integriert. Sie konzentriert sich auch auf die Souver\u00c3\u00a4nit\u00c3\u00a4t des Einzelnen, damit ist das politische Paradox ausgeschaltet.<\/p>\n<p>Die Metapolitik wiederum bedeutet Ungerechtigkeit und Ungleichheit (S. 118). Sie bezieht sich auf die Realit\u00c3\u00a4t des Sozialen, die sozialen Klassen. Es geht um eine konstitutive L\u00c3\u00bcge, ein Diskurs \u00c3\u00bcber die Falschheit der Politik. Hier scheint Ranci\u00c3\u00a8re nicht mehr seinen eigenen Politikbegriff zu meinen. Er f\u00c3\u00bchrt dazu au\u00c3\u0178erdem noch den Ideologiebegriff an und nennt das &#8222;Ende der Politik&#8220; im Zusammenhang mit dem Niedergang der marxistischen Staatsformen:<\/p>\n<blockquote><p>La fin de la politique que l&#8217;on prononce sur la tombe des marxisismes policiers n&#8217;est en somme que l&#8217;autre forme, la forme capitaliste et lib\u00c3\u00a9rale de la m\u00c3\u00a9ta-politique marxiste (S. 124).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Meta-Politik ist auch hier nicht das Ende, sondern Ranci\u00c3\u00a8re betont die G\u00c3\u00bcltigkeit der Ideale von Gleichheit und Gerechtigkeit, die in bestimmter Weise von sozialen Gruppen aufgegriffen werden.<\/p>\n<p>Ranci\u00c3\u00a8re setzt sich implizit mit dem Ansatz marxistischer Politik auseinander, die \u00c3\u00bcber die Schaffung \u00c3\u00b6konomisch gleichwertiger Bedingungen beanspruchte eine gerechte Gesellschaftsform zu etablieren. Demgegen\u00c3\u00bcber waren demokratische Organisationsformen nachgeordnet, blo\u00c3\u0178e Form. Ab 1989 jedoch sind alle Staaten auf marxistisch-kommunistischer Grundlage zusammengebrochen und damit auch dieser politische Ansatz.<\/p>\n<p>Es blieb die kapitalistische Wirtschafsform und die parlamentarische Demokratie bzw. deren Institutionen. Ranci\u00c3\u00a8re scheint diese Entwicklung erst einmal hinzunehmen und gleichzeitig eine Sprache zu finden, die dennoch bestehende Unzul\u00c3\u00a4nglichkeiten aufnimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Politische bei Ranci\u00c3\u00a8re ist ursprungsfrei oder grundlos. 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