Gedanken

Gedanken – was sonst? Heute habe ich mich damit beschäftigt herauszufinden, wieviel Zeit der Einsatz welches Tools im Verlauf eines Semesters ungefähr benötigt, angefangen vom bloßen Bestücken des Kurses in der Lernplattform bis hin zur Erstellung einer Lerneinheit in Form eines WBT. Dies dient vor allem dazu die Möglichkeiten für das Modul eTutoring an der RUB etwas genauer zu umreißen.

Ansonsten konnte ich heute wieder einmal feststellen, dass es im Kosmos Hochschule unterschiedliche Akteure mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Feld der Lehre gibt. Und: Nebst Technik und auch Didaktik spielt der einzelne Mensch eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Und der Bildungsstreik? Davon habe ich heute nichts gesehen, wenngleich doch in der taz von heute ein Foto aus der RUB zu sehen war.

Fachforum Wikis im eLearning

Das Fachforum, das ich gestern besuchte, beschäftigte sich mit dem Einsatz von Wikis in der Hochschullehre.
Sehr deutlich wurde, durch die Vorträge, dass Wikis ohne didaktische Initiierung bestimmter Prozesse nicht laufen. Das Modell Wikipedia ist nicht ohne weiteres auf die Lehre übertragbar, dem stehen strukturelle Merkmale entgegen, die bei Wikipedia anders gelagert sind.
Diskutiert wurde, ob die Didaktisierung des Wikieinsatzes der Ursprungsidee des Wiki, die sehr stark selbstorganisationale bzw. kooperative Elemente enthält, nicht zuwiderläuft bzw. Selbststeuerung verhindert. Arbeitsschritte werden verbindlich gemacht bzw. vorgegeben und so entfällt die Freiwilligkeit. Weitergehend ist damit die Frage verbunden, ob ein solches Tool wie ein Wiki auch einer anderen Lernkultur bedarf, die eben mehr auf Selbststeuerung setzt im Sinne von sich selbst Wissen erarbeiten.
Spannend fand ich auch den Punkt der Dauer eines Wikis. Ist dieses auf die Dauer einer Lehrveranstaltung begrenzt oder wird dasselbe Wiki immer wieder verwendet? Bei letzterem ist das Wiki irgendwann voll und es bestehen keine Anreize mehr dort hinein zu schreiben.
Ein weiterer Punkt ist die Abgrenzung zu anderen Medientypen wie Forum oder Lernplattform oder Blog. Wann setze ich was ein?
Nicht zuletzt die Frage der Qualität, wer kontrolliert diese? Dient das Wiki nur der Dokumentation von Arbeittsschritten ohne Anspruch auf enzyklopädische Gültigkeit oder als Fachreferenz?
Mit letzterem ist wiederum ein erhöhter Aufwand verbunden.
Aber die Nutzung des Tools Wikis zeigt, dass dieses nicht einfach nach einem einzigen Muster eingesetzt wird, die Nutzungsformen sind vielfältig, von Projektdokumentation, Glossar, Lernplattform, Webseite, FAQ… Die Liste ließe sich fortsetzen
Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Einsatz eines Wiki beim Schreiben meiner Masterarbeit gemacht. Materialien, Konzepte ließen sich dort sehr gut unterbringen und immer wieder einfach umstellen, und die Volltextsuche ist dabei ebenfalls sehr nützlich.

Kapazitätseffekte

Die Studie „Kapazitätseffekte von E-Learning an deutschen Hochschulen“ von Bernd Kleimann geht der Frage nach, inwieweit sich die Ausbildungskapazität durch Medieneinsatz in der Hochschullehre erweitern kann. Anlass der Studie sind die prognostizierten bis 2020 stark ansteigenden Studienanfängerzahlen. Eine Maßnahme diesbezüglich ist der „Hochschulpakt 2020“, in dem sich die Länder zu einer Erhöhung der Studienanfängerzahlen verpflichten. Weitere diskutierte Maßnahmen sind zum Beispiel die Beschäftigung von Lecturern, aber auch der Ausbau der virtuellen Lehre. Dabei geht die Studie von der Annahme aus, dass zeitlich begrenzt eine Erweiterung der Ausbildungskapazität durch Medieneinsatz prinzipiell möglich ist, d.h. dass quantitative und nicht bloß qualitätssteigernde Effekte zu erzielen sind. Bei dieser Annahme wird außerdem davon ausgegangen, dass sich die Anwendung von E-Learning gewissermaßen durchgesetzt hat: Es gibt eine zunehmend selbstverständliche Nutzung von Lernplattformen und eine breite Verfügbarkeit von online zur Verfügung stehenden Lernmaterialien. Des Weiteren wird angeführt, dass E-Learning empirisch nachweisbar nicht schlechter ist als Präsenzlehre.
Methodisch geht die Studie so vor, dass für verschiedene Szenarien Modellrechnungen aufgestellt werden. Die Modellrechnungen basieren auf der Kapazitätrechnung, d.h. der Formel mit der in einem zulassungsbeschränkten Studiengang die Studienanfängerplätze pro Jahr berechnet werden. Exemplarisch wird ein modellhafter BA- und MA- Informatikstudiengang gewählt. Die Informatik ist hier deshalb gewählt, weil dort bereits entsprechende empirisch gestützte Modellüberlegungen vorliegen.
Die Szenarieneinteilung erfolgt nicht entlang didaktisch-methodischer Kriterien sondern orientiert sich daran, inwieweit sie Kapazitätseffekte unterstützt. Drei Haupteinteilungen werden vorgenommen: Substitution von Präsenzlehre, Steigerung der Gruppengröße, Verlagerung von Kapazität zwischen Studienphasen bzw. Studiengängen. Insgesamt ergeben sich acht Szenarien:
Terminsubstitution ohne/mit Betreuung (einzelne Veranstaltungstermine werden durch E-Learning ersetzt), Lehrveranstaltungssubstitution ohne / mit Betreuung, Online-Studiengang, Steigerung der Gruppengröße, Entlastung von Großveranstaltungen, Kapazitätsverlagerung in gestuften Studienstrukturen.
Für das technische Profil der Szenarien gilt, dass hier nicht hochgradig multimediale Materialien, die aufwändig herzustellen sind, in Betracht gezogen werden, sondern vielmehr multimediale Niedrigschwelligkeit bzw. das Vorhandensein benutzerfreundlicher Autorensoftware Ausgangsbasis sind.
Für die Modellrechnungen ist der Anrechnungsfaktor von Bedeutung, welcher die Vor- und Nachbereitungszeiten für die Durchführung einer Veranstaltung wiedergibt. Damit wird dann auch der erforderliche zeitliche Mehrbedarf für die Abhaltung mediengestützter Veranstaltungen erfasst.
Wie sehen nun die Ergebnisse der Modellrechnungen aus?
Nennenswerte Kapazitätseffekte ergeben sich im Fall der Terminsubstitution nur, wenn eine kritische Masse an Veranstaltungen von der Substitution betroffen sind, d.h. hier eine 50%ige Reduktion der Vorlesungen/Übungen bei 30% aller Veranstaltungen. Die höchsten Kapazitätseffekte ergeben sich bei der Lehrveranstaltungsubstitution mit Betreuung. Dies ist deshalb der Fall, weil verschiedene Veranstaltungstypen ersetzt werden und der Anrechnungsfaktor durch das Angebot von Textmaterialien gering ausfällt.
Ein Online-Studiengang wird hier nur für die Masterphase berücksichtigt und dann auch nur unter Vorbehalt, da ein solcher wegen der hohen Vorbereitungszeit nicht für die Bereitstellung kurzfristiger Ausbildungskapazitäten geeignet ist. Kapazitätseffekte ergeben sich hier nur bei großen Gruppengrößen, die jedoch in der Realität bei Online-Masterstudiengängen nicht vorliegen.
Die Steigerung der Gruppengröße zieht keine Kapazitätseffekte nach sich und ist daher eher unter dem in der Studie auch behandelten Aspekt der Entlastung von Großveranstaltungen zu sehen. Hier jedoch sind keine quantitativen Effekte intendiert sondern es geht um Qualitätsverbesserung bei Großveranstaltungen mit mehreren 100 Teilnehmenden, bei denen Mindestvoraussetzungen für die Erzielung eines Studienerfolges nicht vorhanden sind. Genannt sind nicht ausreichend vorhandene Sitzplätze, schlechte Akustik, unzureichende Frischluftzufuhr, lange Wartezeiten. E-Learning kann hier eine Verbesserung der Rahmenbedingungen schaffen (Verbesserung von Betreuung, Information und Kommunikation).
Die Kapazitätsverlagerung kann zwar Kapazitätseffekte zum Beispiel für die Masterphase erzeugen, dies würde hier jedoch zu Lasten des Bachelors gehen, der eine niedrigere Abschlussquote verzeichnen würde.

Web 2.0 im Unternehmen

Zu diesem Thema gab es gestern an der RUB einen Vortrag, und zwar beim Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der RUB und dem Institut für Unternehmensführung. Der Titel des Vortrags von Dr. Frank Schönefeld und Frau Simone Happ von der T-Systems Multimedia Solutions GmbH lautete: „Soziale Software im Informations- und Kommunikationsmanagement – Stolpersteine für ein Unternehmen 2.0“.
Sie stellten heraus, dass durch Web 2.0 Unternehmen einen Shift of Control erleben, die Unternehmensgrenzen verschwimmen, Produkt-, Kommunikations- oder auch Preishoheit können verloren gehen. Genannt wurde hier das Beispiel Kryptonite. Für Unternehmen kann dies sowohl Chance als auch Risiko bedeuten: Verlust der Preishoheit kann zu mehr Preistransparenz führen.
Für den Einsatz von Social Software in Unternehmen wurde der Begriff von Andrew McAfee des Enterprise 2.0 herangezogen. Darunter wird der Einsatz sich selbst entwickelnder Social Software Plattformen innerhalb von Unternehmen und zwischen Unternehmen und ihren Partnern verstanden.
Die Vortragenden favorisierten Web 2.0 im Unternehmen insbesondere als Erweiterung traditioneller Unternehmenskommunikation in Form von Meetings und E-Mails. Dadurch ergeben sich Effizienzgewinne (Reduktion des E-Mail-Verkehrs) und die Nachhaltigkeit unstrukturierter Kommunikation wird gefördert. Auch Prozesse können dynamisch abgebildet (Einsatz von Wikis) und Informationen besser aktuell gehalten werden. Als Hindernisse für den Einsatz von Web 2.0 wurde zum Beispiel die gewohnheitsbedingte Vorliebe für bestimmte Software genannt: Word statt Wiki. Durch Social Software entsteht außerdem ein erhöhtes Informationsaufkommen, das ebenfalls bewältigt werden muss. Probleme rechtlicher Natur ergeben sich, in Bezug auf Urheberrecht oder Datenschutz.
Die sehr weit gehende Schlussfolgerung, dass Web 2.0 im Unternehmen auch zu einem Hierarchieabbauch führen würde, wurde vom Publikum eher skeptisch gesehen.