Web 2.0 und Wikis

Heute im Modul eTutoring ging es zwei Stunden lang um Web 2.0 und Wikis. Angefangen von der Erstellung einer Web 2.0 – Map mit Mindmeister und der Erkundung der in Blackboard integrierten Flickr- und Slideshare-Funktionen hin zu den Begriffen Web 2.0 und E-Learning 2.0. Web 2.0 ist das Internet, genauer war es für die meisten nicht zu fassen. Da hat sich in relativ kurzer Zeit in der Entwicklung des Netzes viel getan. Und vieles, was gar nicht unbedingt Feature der Software ist, wird als zugehörig wahrgenommen, z.B. Qualitätskontrolle bei Wikis. Angelehnt an das größte wahrzunehmende Beispiel Wikipedia.
Ungewohnt scheint, einfach in einem Wiki zu schreiben. Gefahrlos. Alles bleibt ja erhalten und wird registriert und kann ggf. zurückgesetzt werden. Mediawiki bietet viele Möglichkeiten und ist natürlich ein Kreuzschiff im Vergleich zu den Wikis in den Lernplattformen, die kleinen Ruderboote, die aber auch ihren Zweck erfüllen können, da Grundfunktionen von Wikis angelegt sind.
Die Herausforderungen bei beiden technischen Lösungen liegen in der Konzeption, d.h. bei den Anreizen, der Strukturierung der Arbeit und der Qualitätskontrolle bzw. dem Feedback.

Web 2.0 und Universität

Im Schnelldurchlauf habe ich gestern die Untersuchung Higher Education in a Web 2.0 World gelesen. Es wird darin vor allem darauf Bezug genommen, dass das Gros der Studierenden Web 2.0 sehr stark privat nutzt, z. B. über soziale Netzwerke. Studierende, die an die Universität kommen (bezogen auf die UK), haben keine speziellen Erwartungen bezogen auf die Nutzung von IT an der Universität. Es ist vielmehr so, dass von Präsenzlehre mit begleitenden Online-Materialien ausgegangen wird und die schulische Vorerfahrung prägend ist. Es werden keine pädagogischen Innovationen gefordert, sondern sich gewissermaßen mit der Informationsvermittlung zufrieden gegeben. Konzepte für die Nutzung von Web 2.0-Technologien aus dem privaten Bereich hin zu einer eher formelleren Nutzung sind nicht greifbar.

Ein weiteres Thema ist der digitial divide, der auf verschiedenen Ebenen, sowohl unter Studierenden als auch unter Lehrenden besteht. Dieser ist natürlich einer Anwendung von Web 2.0-Technologien hinderlich.

Festgehalten wird, dass zur Zeit der Einsatz von Web 2.0 bottom up erfolgt, es keine allgemeine Implementierungslösung gibt.

Warum ist die Anwendung von Web 2.0 überhaupt wünschenswert? Das Hauptargument scheint mir zu sein, dass die für die Nutzung von Web 2-0 Anwendungen erforderlichen Kompetenzen (im Englischen skills) sich mit den Kompetenzen decken, die im 21. Jahrhundert als notwendig für die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit gelten. Dazu gehören: Motivation, Temarbeit, Problemlösen, kritisches Denken.

Weitere Argumente sind, dass damit einer heterogenen Lernergruppe Rechnung getragen werden sowie eine reichhaltigere Lernerfahrung ermöglicht werden kann. Zu letzterem trägt bei, dass Web 2.0 Technologien zu einer konstruktivistischen Didaktik passen.

Soviel erst einmal zu dem, was ich an wichtigen Aussagen aus dem Report herausgezogen habe.

Web 2.0 im Unternehmen

Zu diesem Thema gab es gestern an der RUB einen Vortrag, und zwar beim Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der RUB und dem Institut für Unternehmensführung. Der Titel des Vortrags von Dr. Frank Schönefeld und Frau Simone Happ von der T-Systems Multimedia Solutions GmbH lautete: „Soziale Software im Informations- und Kommunikationsmanagement – Stolpersteine für ein Unternehmen 2.0“.
Sie stellten heraus, dass durch Web 2.0 Unternehmen einen Shift of Control erleben, die Unternehmensgrenzen verschwimmen, Produkt-, Kommunikations- oder auch Preishoheit können verloren gehen. Genannt wurde hier das Beispiel Kryptonite. Für Unternehmen kann dies sowohl Chance als auch Risiko bedeuten: Verlust der Preishoheit kann zu mehr Preistransparenz führen.
Für den Einsatz von Social Software in Unternehmen wurde der Begriff von Andrew McAfee des Enterprise 2.0 herangezogen. Darunter wird der Einsatz sich selbst entwickelnder Social Software Plattformen innerhalb von Unternehmen und zwischen Unternehmen und ihren Partnern verstanden.
Die Vortragenden favorisierten Web 2.0 im Unternehmen insbesondere als Erweiterung traditioneller Unternehmenskommunikation in Form von Meetings und E-Mails. Dadurch ergeben sich Effizienzgewinne (Reduktion des E-Mail-Verkehrs) und die Nachhaltigkeit unstrukturierter Kommunikation wird gefördert. Auch Prozesse können dynamisch abgebildet (Einsatz von Wikis) und Informationen besser aktuell gehalten werden. Als Hindernisse für den Einsatz von Web 2.0 wurde zum Beispiel die gewohnheitsbedingte Vorliebe für bestimmte Software genannt: Word statt Wiki. Durch Social Software entsteht außerdem ein erhöhtes Informationsaufkommen, das ebenfalls bewältigt werden muss. Probleme rechtlicher Natur ergeben sich, in Bezug auf Urheberrecht oder Datenschutz.
Die sehr weit gehende Schlussfolgerung, dass Web 2.0 im Unternehmen auch zu einem Hierarchieabbauch führen würde, wurde vom Publikum eher skeptisch gesehen.