3. Woche Homeoffice

Am Ende der Woche schönstes Frühlingswetter, man sieht mehr Menschen mit Masken, mehr, die ausweichen. Die Aussichten, wann wieder Normalität einkehren kann, sind ungewiss.
Im Gespräch sind jetzt auch Tracking-Technologien per App. Zu welchem Zweck? Soll ich sehen können, wer in meiner Nähe infiziert ist oder Kontakt zu Infizierten oder gar Erkrankten hatte? Dies würde bedingen, dass alle Bewegungsmuster gespeichert und an zentraler Stelle gesammelt werden müssten. Geht das anonymisiert? Zweifel sind da. Bei einer so intensiven Speicherung ist eine Rückführung auf eine bestimmte Identität sicherlich immer möglich. Nicht zu sprechen, von den weiteren sozialen Auswirkungen, wenn beispielsweise die App anzeigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit in meiner näheren Umgebung erkrankte Menschen und ihre Kontakte unterwegs sind.

Digitale Lehre? Der Run auf Webkonferenzen ist ungebrochen, zumindest gefühlt. Nun war Zoom aus datenschutzrechtlicher und sicherheitstechnischer Sicht in der Diskussion. Es sind Lücken offenkundig geworden, zum Teil einstellungsbedingt (so genanntes Zoom Bombing: Unberechtigte dringen in eine Webkonferenz ein und teilen unerwünschte Inhalte). Die Default-Einstellungen erleichtern missbräuchliche Praktiken. Beim Einsatz innerhalb einer Organisation besteht zumindest die Möglichkeit diese Einstellungen zentral zu steuern. Auf der anderen Seite bedeuten diese Standardeinstellungen, dass erst einmal jeder die Möglichkeit zum Beispiel sein Bild anzuzeigen. Die herkömmliche Webkonferenzpraxis ist da deutlich restriktiver. Für den Einsatz im Unterricht, der ja bisher eher selten gewesen ist, wurde, insbesondere für größere Gruppen ein stärkeres Rechte- und Rollenmanagement für notwendig erachtet.
Die nun eher halb formelle, informelle Nutzung von Zoom als Besprechungstool wird durch die Einstellungen grundsätzlich erleichtert, für andere Nutzungskontexte, Vorträge oder Veranstaltungen sind sie eher ungünstig.

Es gibt gegen ein gut funktionierendes Tool nichts einzuwenden und das ist Zoom. Die datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen sind für bestimmte Zwecke nicht hinreichend. Die Lücken und Schwachstellen sind zu eklatant, s.a. https://www.schneier.com/blog/archives/2020/04/security_and_pr_1.html.

Auf der anderen Seite hat Zoom auch gegen den massiven Gegenwind reagiert: https://blog.zoom.us/wordpress/2020/04/01/a-message-to-our-users/.

Unter anderem nun auch auf die Analyse des Toronto Citizen Lab bezüglich der Verwendung chinesischer Serverinfrastruktur:
https://blog.zoom.us/wordpress/2020/04/03/response-to-research-from-university-of-torontos-citizen-lab/.

Das Citizen Lab hat Zoom auch unter Sicherheitsaspekten unter die Lupe genommen:
https://citizenlab.ca/2020/04/move-fast-roll-your-own-crypto-a-quick-look-at-the-confidentiality-of-zoom-meetings/

Am Ende bleibt vielen scheinbar nur der Weg zu Zoom, mangels stabiler Alternativen. Zwar sind Opensource-Lösungen im Gespräch, z.B. Jitsi oder Big Blue Button, aber diese haben keine skalierbare Infrastruktur im Rücken.

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