Reflektionen zwischen Online- und Präsenzlehre

Nach einem Online-Semester sind die Meinungen gespalten bzw. sehr unterschiedlich, je nach Erfahrungen auf Lehrenden- bzw. Lernendenseite, die gemacht worden sind. Unzweifelhaft scheint mir zu sein, dass der direkte persönliche Kontakt mit physischer Präsenz vermisst wird, zu allen Seiten hin, zwischen Lehrenden untereinander, Kolleg*innen, in den Veranstaltungen oder zwischen den Studierenden selbst. Online-Lehre gestalten und durchführen kann demgegenüber einen Charakter von etwas nicht Greifbarem haben. Lehrende bieten etwas an und es gibt nur wenig Aufschluss, was damit passiert, zum Beispiel, wie Studierende lernen. In der Präsenzlehre gibt es immerhin den Blick auf die Teilnehmenden im Seminar oder in der Vorlesung, ein persönlicher Eindruck, der zumindest als ausreichend erachtet wird um den Charakter der Veranstaltung festzumachen und selbst dort anzudocken. Dieser schlüsselt natürlich auch nicht auf, was bei den Einzelnen passiert im weiteren Verlauf einer Veranstaltung. Es geht vielmehr um die Wahrnehmungssituation als solche, ich nehme andere Personen in ihrer leiblichen Präsenz wahr, vielleicht ist der Raum stickig, es gibt eine Vielzahl visueller und olfaktorischer Reize, denen ich ausgesetzt bin, die gesamte Palette der nonverbalen Informationen, die Lehrende als auch Studierende lesen müssen, wenn sie miteinander kommunizieren. Das gibt es selbst in einer synchronen Online-Konferenz nicht, das Grundrauschen der Präsenz, das normalerweise nicht explizit thematisiert wird, aber, wenn es wegfällt, fehlt es. Das Husten im Zuschauerraum. „Stell doch dein Mikro aus.“ Der digitale Raum ist vielleicht zu steril bzw. hat eine eigene digitale Nicht-Sterilität.

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