Twitter – Wirkungen Teil 4

Aus aktuellem Anlass lässt sich gut über die Wirkungen, die Twitter haben kann, schreiben: die Abmahnung der Deutschen Bahn gegen http://netzpolitik.org/. Der Betreiber des Blogs hatte ein internes Memo der Deutschen Bahn bezogen auf den Mitarbeiterbespitzelungsskandal veröffentlicht und wurde von der DB abgemahnt. Dies wurde auch prompt gebloggt und getwittert und damit ein Lauffeuer im Netz losgetreten. Dies zeigt, dass Twitter sich sehr gut eignet, um Nachrichten schnell zu verbreiten. Jeder Twitterer hat Follower, der Follower hat wieder Follower, die Follower des Followers des Followers. Das erzeugt einen wunderbaren Schneeballeffekt. Und es ergeben sich zum Beispiel folgende Schlagzeilen der Mainstream-Medien.
Drohgebärde gegen Blogger wird für die Bahn zum Bumerang (horizon.net)
Deutsche Bahn mahnt Blogger ab und legt ein Lauffeuer (HNA)
Blogger-David trotzt Bahn-Goliath (Spiegel)
Hartmut Mehdorn vs das Internet (Handelsblatt)

Twitter Sinn und Unsinn Teil 3

Im Unterschied zu E-Mail oder auch Instant Messaging ist Twitter wesentlich öffentlich. Die netten kleinen Nachrichten kommen zuerst auf die öffentliche Zeitleiste (public timeline), die man auf einem Webinterface einsehen kann. Natürlich kann man das auch untersagen, aber es rattert so einiges die public timeline herunter.
Gesondert bekomme ich zu Gesicht, was Menschen, denen ich folge, schreiben (Following). Die Zahl derjenigen, denen ich folge, kann in die tausende gehen. Da es sehr einfach ist, jemandem zu folgen, und dies auch in der Regel nicht verweigert wird, selbst wenn man jemanden nicht kennt, gelangt man recht schnell zu einer beachtlichen Zahl. Umgekehrt gilt das gleiche: Auch man selbst hat Verfolger (Follower). Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, mir folgen, d.h. möglicherweise lesen, was ich schreibe.
Das Following-/Follower-Gemisch ist daher ein Netzwerk von Bekannten/Unbekannten mit eher lockerer Knotenstärke.

Was schreibt man überhaupt so bei Twitter und warum?

Wenig aussagekräftig, aber man kann bei Twitter über alles schreiben. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Antwort auf die Frage „What are you doing“ und das kann vieles umfassen, von banalen Dingen wie „Ich sitze auf einem Stuhl und starre in die Luft“ bis hin zu „Ich verfasse ein nobelpreisverdächtiges Gedicht“.
Argwöhnische fragen dann, ja und, warum soll ich so etwas schreiben, für was und für wen? Twitter-Nachrichten sind beschränkt auf 140 Zeichen. Es sind Wegwerfzeichen. Es entsteht kein gehaltvoller Text, der Informationsgehalt, die Relevanz ist beschränkt. Wenn ich schon schreiben möchte, habe ich mit einem Blog mehr Möglichkeiten, etwas auszudrücken oder ich schreibe einen vernünften Wikipedia-Artikel. Also müssen diese Tweets einen anderen als inhaltsbezogenen Sinn oder Funktion haben.

Gedanken zu Twitter

Hm. Als ich anfing zu twittern, wurde ich oft gefragt, was Twitter für einen Sinn hat. Schreiben, was ich mache, auf 140 Zeichen, in die Welt hinauspusten. Twitterfreunde, Follower haben, andere Leute Twittereinträge folgen. Hm. Für mich hat Twitter keinen offenbaren Sinn. Die Sinnfrage ist hier falsch gestellt.
Jedenfalls ist Twitter eines der Web 2.0 – Medien, das mich angesprungen hat. Ich twittere auf Englisch.
Twitter ist spannend. Ein Phänomen, das man sehr schön mit ethnografischem Blick beobachten kann, wie eine fremde Kultur.
Und langsam frage ich mich, was tue ich da eigentlich, wenn ich twittere.